Wissenswertes
Was die wenigsten über Bienen wissen
Kein Lehrgang, eher eine Sammlung erstaunlicher Geschichten und Zahlen rund um das Volk, das meinen Honig macht. Alles an mehreren unabhängigen Quellen geprüft. Wo sich Angaben unterschieden, steht hier die vorsichtigere Zahl oder eine Spanne.
Ein Fachbegriff gestolpert? Das Imkerdeutsch–Deutsch-Glossar steht ganz unten auf dieser Seite.
Die drei Bienenwesen
Arbeiterin und Königin sind genetisch fast identisch. Der Unterschied entsteht allein durch die Fütterung als Larve. Der Drohn dagegen ist biologisch etwas ganz anderes.
Arbeiterin
Drohn
Königin
Warum die Königin so viel älter wird
Zunächst kurz erklärt, worum es geht: Futtersaft ist ein eiweiß-, fett- und vitaminreiches Sekret, das junge Ammenbienen (meist 6 bis 12 Tage alt) in ihren Kopfdrüsen selbst herstellen, der Hypopharynx- und der Mandibeldrüse. Der Rohstoff dafür ist Pollen und Honig. Damit füttern die Ammenbienen die komplette Brut in den ersten Lebenstagen, die Königin ihr ganzes Leben lang und gelegentlich auch sich gegenseitig. Ohne Futtersaft gäbe es keine neue Bienengeneration.
Der Unterschied zwischen Königin und Arbeiterin liegt fast ausschließlich an der Fütterung als Larve: Nur die Königin bekommt bis zur Verdeckelung ihrer Zelle ausschließlich die besonders intensive Variante, Gelée Royale genannt. Arbeiterinnenlarven bekommen normalen Futtersaft nur die ersten drei bis vier Tage. Das Ergebnis: Die Königin entwickelt voll funktionsfähige Eierstöcke und einen anderen Stoffwechsel, während sich eine Arbeiterin buchstäblich zu Tode arbeitet. Eine Sommerbiene verschleißt nach wenigen Wochen Dauereinsatz, eine Königin kann 3 bis 5 Jahre alt werden.
Sommerbiene und Winterbiene sind übrigens genetisch dieselbe Arbeiterin, nur die Lebensphase unterscheidet sich. Winterbienen schlüpfen im Spätsommer, fliegen kaum noch aus und sparen ihre Kräfte. Nur so bringen sie das Volk sicher durch den Winter.
Der Werdegang einer Sommerbiene
In ihren rund 4 bis 6 Wochen durchläuft eine Arbeiterin mehrere „Berufe", gesteuert vom Alter ihrer Drüsen, nicht von einem Vorgesetzten. Die Tagesangaben sind typische Richtwerte. Bei Bedarf im Volk springt eine Biene auch mal zwischen den Aufgaben.
Tag 1–3
Putzbiene
Reinigt frisch geschlüpfte Zellen für die nächste Eiablage.
Tag 4–13
Ammenbiene
Füttert Larven und Königin mit selbst produziertem Futtersaft.
Tag 14–16
Baubiene
Wachsdrüsen sind aktiv: Sie baut und verdeckelt Waben.
Tag 17–19
Wächterin
Kontrolliert am Flugloch, wer ins Volk darf und wer nicht.
Ab Tag 20
Sammelbiene
Fliegt aus, sammelt Nektar, Pollen, Wasser und Propolis, bis sie mit rund 40 Tagen verschleißt.
Ein Bienenleben in Kilometern
Die Flugleistung eines ganzen Volkes für ein einziges Glas Honig ist schwer vorstellbar. Hier die Zahlen für ein 500-g-Glas, wie sie der Deutsche Imkerbund angibt.
Zahlen rund ums Volk
Nektar wird Honig
Nektar hat einen Wassergehalt von 40 bis 70 %. Die Bienen reichern ihn im Kropf mit dem Enzym Invertase an, das Rohrzucker in Trauben- und Fruchtzucker spaltet, und senken den Wassergehalt durch ständiges Umtragen und Fächeln der Flügel auf unter 18 %. Erst dann ist der Honig reif und wird mit Wachs verdeckelt. Ein weiteres Enzym, Glucoseoxidase, erzeugt dabei etwas Wasserstoffperoxid, das den Honig auf natürliche Weise haltbar macht.
Nektar liefert dem Volk reine Energie, quasi das Flugbenzin. Pollen dagegen liefert Eiweiß, Aminosäuren und Mineralstoffe und ist unverzichtbar für die Brutaufzucht: Ohne Pollen können Ammenbienen keinen Futtersaft produzieren, ohne Futtersaft wächst keine neue Generation heran.
Der Schwänzeltanz
Findet eine Sammlerin eine ergiebige Futterquelle, teilt sie das dem ganzen Volk mit, und zwar per Tanz. Auf der senkrechten Wabe läuft sie eine Acht: Beim geraden Mittelstück wackelt sie mit dem Hinterleib (daher „Schwänzeln"), dann läuft sie im Bogen zurück, wieder geradeaus, wieder im Bogen zur anderen Seite. Der Winkel dieses Mittelstücks zur Senkrechten entspricht dem Winkel zur Sonne, in dem die Futterquelle liegt. Wie lange sie wackelt, verrät die Entfernung: je länger, desto weiter weg. So wissen ihre Stockschwestern, wohin sie fliegen müssen, ohne die Quelle je gesehen zu haben.
Warum der Imker im Spätsommer füttert
Im Winter selbst nehmen Bienen kein Futter mehr an. Bei Kälte sitzen sie eng in der Wintertraube und verlassen sie kaum. Der Wintervorrat muss deshalb vorher angelegt werden: Der Imker füttert zwischen Ende Juli und Ende September, solange es warm genug ist, dass die Bienen das Futter aufnehmen, einlagern und zu haltbarem Winterfutter verarbeiten können. Nachgefüttert wird mit Zuckerwasser, fertigem Sirup oder Futterteig, je nach Beutengröße meist 15 bis 20 kg pro Volk. Zu wenig Futter bedeutet Verhungerungsgefahr im Winter, zu viel schnürt im Folgejahr das Brutnest ein und bremst die Königin beim Eierlegen. Die richtige Menge ist eine Gratwanderung, die jeder Imker jedes Jahr neu einschätzen muss.
Propolis, das unterschätzte Kittharz
Propolis ist ein Harzgemisch, das Bienen aus Knospen- und Rindenharzen mit eigenen Enzymen herstellen und zum Abdichten und Desinfizieren des Stocks nutzen. Historisch wurde es erstaunlich vielseitig eingesetzt: Die alten Ägypter nutzten es zum Einbalsamieren von Mumien, Aristoteles empfahl es bei Wunden und Prellungen, Plinius der Ältere pries es für Augen und innere Organe. Militärärzte setzten es bis in die Weltkriege zur Wunddesinfektion ein, und wegen seiner Verwandtschaft zum Lignin des Holzes wird es bis heute als Bestandteil von Geigenlack verwendet.
Herausforderung Nummer eins
Die Varroamilbe
Varroa destructor ist eine etwa 1,6 mm kleine Milbe, die ursprünglich aus Südostasien stammt und dort auf der Asiatischen Honigbiene (Apis cerana) lebte, ohne ihr großen Schaden zuzufügen. Erst als europäische Honigbienen im 19./20. Jahrhundert nach Asien gebracht wurden, wechselte die Milbe den Wirt, mit dramatischen Folgen, da unsere Biene keine natürliche Abwehr gegen sie entwickelt hat. Über die damalige Sowjetunion (1964) verbreitete sie sich Richtung Westen und erreichte 1977 auch Deutschland, zunächst in Hessen. Heute ist sie praktisch flächendeckend verbreitet.
Die Milbe sitzt auf Bienen und vor allem auf der Brut und ernährt sich von deren Fettkörper und Hämolymphe (der „Bienen-Blutflüssigkeit"). Dabei überträgt sie gefährliche Viren, die geschwächte oder deformierte Bienen zur Folge haben können. Ohne Zutun des Imkers stirbt ein befallenes Volk in aller Regel innerhalb weniger Jahre. Varroa hat die Imkerei grundlegend verändert: Aus einem Hobby, bei dem man die Bienen weitgehend sich selbst überlassen konnte, ist eine Aufgabe geworden, die eine regelmäßige, ziemlich genau getaktete Gesundheitsfürsorge für das Volk verlangt.
Eine neue Bedrohung
Die Asiatische Hornisse
Vespa velutina, die Asiatische Hornisse, ist eine ursprünglich aus Südostasien stammende, gebietsfremde Art, die 2014 erstmals bei Karlsruhe in Deutschland auftauchte. Seither hat sie sich vor allem in Baden-Württemberg, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen ausgebreitet und gilt dort seit März 2025 offiziell als etabliert. Von der heimischen Europäischen Hornisse lässt sie sich an ihrem dunkleren Körper und den auffällig gelben „Füßen" unterscheiden.
Ihre Völker werden mit bis zu 2.000 Tieren deutlich größer als die der Europäischen Hornisse (rund 700 Tiere). Entsprechend groß ist der Bedarf an tierischem Eiweiß für die eigene Brut. Dabei haben es Asiatische Hornissen gezielt auf Honigbienen abgesehen: Sie postieren sich im „Lauerflug" direkt vor dem Flugloch und schlagen heimkehrende Sammlerinnen aus der Luft.
Zum Nachschlagen
Imkerdeutsch – Deutsch
Ein paar Fachbegriffe, die auf dieser Seite oder beim nächsten Gespräch mit mir am Ehrenkasten fallen könnten, erklärt für alle ohne Imker-Vorwissen.
- Ableger
- Ein künstlich gebildetes kleines Volk aus Brutwaben und Bienen eines bestehenden Volkes – die gängigste Methode, ein Volk zu vermehren.
- Absperrgitter
- Ein Trenngitter zwischen Brut- und Honigraum. Die Öffnungen lassen Arbeiterinnen durch, sind für die größere Königin aber zu eng – so bleibt der Honigraum brutfrei.
- Ameisensäure (AS)
- Eine natürlich vorkommende organische Säure, mit der der Imker im Spätsommer die Varroamilbe bekämpft. Sie wirkt über einen ätzenden Kontakteffekt, nicht als Gift – Resistenzen der Milbe sind daher kaum zu erwarten.
- Asiatische Hornisse
- Eine seit 2014 in Deutschland auftretende, gebietsfremde Hornissenart, die gezielt Honigbienen vor dem Flugloch jagt – mehr dazu weiter oben auf dieser Seite.
- Beute
- Das „Haus" der Bienen – der Bienenkasten bzw. -stock, in dem ein Volk lebt.
- Bienenbesen
- Ein Handbesen mit sehr weichen Borsten, mit dem der Imker Bienen schonend von einer Wabe kehrt, etwa bei der Honigernte.
- Bienenflucht
- Ein Einwegventil zwischen Honig- und Brutraum: Bienen kommen durch, aber nicht mehr zurück – so wird der Honigraum vor der Ernte bienenfrei.
- Brutraum
- Der Teil der Beute, in dem die Königin Eier legt und die Brut heranwächst – meist unten, unter dem Honigraum.
- DNM (Deutsch Normalmaß)
- Eines der gängigen deutschen Rähmchenmaße, vor allem in Mittel- und Norddeutschland verbreitet, etwas schmaler als das Zandermaß.
- Drohn
- Die männliche Biene. Einzige Aufgabe: die Begattung einer jungen Königin. Hat keinen Stachel.
- Heroldbeute
- Eine klassische Holzmagazinbeute, die wahlweise mit 12 DNM- oder 10 Zander-Rähmchen bestückt werden kann.
- Honigraum
- Der Teil der Beute, in dem die Bienen Honig einlagern – von dort entnimmt der Imker die Ernte.
- Imker / Imme
- Imme ist ein altes deutsches Wort für Biene. Ein Imker ist entsprechend, wer sich um die Immen kümmert.
- käfigen (Zusetzkäfig)
- Eine neue Königin wird vorübergehend in einem kleinen Käfig ins Volk gehängt, dessen Ausgang mit Futterteig verschlossen ist. Königin und Volk gewöhnen sich so aneinander, bevor sich die Bienen nach 2–3 Tagen zu ihr durchgefressen haben.
- Läppertracht
- Ein geringes, unregelmäßiges Nahrungsangebot etwa im Spätsommer – die Bienen finden nur noch „häppchenweise" etwas.
- Met
- Ein altes alkoholisches Getränk aus vergorenem Honig und Wasser – der „Honigwein".
- Mittelwand
- Eine vorgeprägte, dünne Wachsplatte, die dem Rähmchen als Baugrundlage dient – die Bienen ziehen darauf ihre sechseckigen Zellen.
- Nachschaffungszelle
- Eine Weiselzelle, die ein Volk baut, wenn es seine Königin unerwartet verliert – das „Notprogramm" zur Aufzucht einer Ersatzkönigin, anders als die geplante Schwarmzelle.
- Nachschwarm
- Ein weiterer Schwarm, der nach dem Vorschwarm mit einer noch unbegatteten jungen Königin auszieht.
- Oxalsäure
- Organische Säure, die im brutfreien Winter gegen die Varroamilbe eingesetzt wird, wenn sich die Milben nicht mehr in verdeckelter Brut verstecken können.
- Propolis
- Das „Kittharz" der Bienen aus Pflanzenharzen, zum Abdichten und Desinfizieren des Stocks – mehr dazu weiter oben auf dieser Seite.
- Rähmchen
- Der Holzrahmen, der eine Wabe hält und sich einzeln aus der Beute herausnehmen lässt – macht moderne Imkerei erst praktikabel.
- Räuberei
- Wenn fremde Bienen ein schwaches Volk ausplündern – meist in trachtarmen Zeiten, wenn wenig Nektar zu finden ist.
- Räuchergerät (Smoker)
- Ein kleines Blasebalg-Gerät, mit dem der Imker Rauch erzeugt. Der Rauch täuscht den Bienen einen Waldbrand vor – sie fressen sich in Ruhe mit Honig voll und werden dadurch friedlicher.
- Reinigungsausflug
- Der erste Ausflug der Bienen im zeitigen Frühjahr, bei dem sie nach Wochen im Stock endlich ihre Kotblase entleeren.
- Schwarm
- Der Teil eines Volkes, der mit der alten Königin auszieht, um ein neues Zuhause zu suchen – die natürliche Art, wie sich ein Volk vermehrt.
- Stärkesirup
- Fertiges Bienenfutter auf Stärkebasis (z. B. „Apiinvert"), bereits weitgehend aufgespalten und dadurch für die Bienen leichter zu verarbeiten als selbst angerührtes Zuckerwasser.
- Stockmeißel
- Das wichtigste Werkzeug des Imkers: ein Stahlmeißel zum Lösen verkitteter Zargen und Rähmchen sowie zum Abkratzen von Wachs und Propolis.
- Tracht
- Das gesamte Nektar-, Pollen- und Honigtauangebot, das Bienen in einer Gegend gerade zur Verfügung steht. Viel Tracht heißt: volle Waben; wenig Tracht heißt: der Imker muss notfalls zufüttern.
- Umweiseln
- Das gezielte Ersetzen einer alten oder leistungsschwachen Königin durch eine neue.
- Varroa
- Eine parasitäre Milbe, die sich von Bienen und Brut ernährt und Viren überträgt – der größte Gesundheitsgegner moderner Bienenvölker weltweit. Mehr dazu weiter oben auf dieser Seite.
- Varroaschublade (Windel)
- Eine herausziehbare Platte am Boden der Beute, auf der abgefallene Varroamilben gezählt werden, um den Befall eines Volkes einzuschätzen.
- Vorschwarm
- Der erste und meist stärkste Schwarm eines Volkes, der mit der alten, bereits begatteten Königin auszieht.
- Weisel
- Alte, bei Imkern bis heute gebräuchliche Bezeichnung für die Bienenkönigin.
- Weisellosigkeit
- Der Zustand eines Volkes ohne Königin – ein Alarmzustand, den der Imker möglichst schnell erkennen und beheben muss.
- Weiselzelle
- Eine besonders große, meist erdnussförmig nach unten hängende Wabenzelle, in der eine neue Königin heranwächst.
- Wintertraube
- Die dichte Kugel, zu der sich das Volk bei Kälte zusammenzieht, um sich durch Muskelzittern gegenseitig warmzuhalten.
- Zander
- Das vor allem in Süddeutschland verbreitete Rähmchenmaß, benannt nach dem Bienenforscher Enoch Zander – etwas breiter als das DNM.
- Zarge
- Ein einzelner Kasten, ein „Stockwerk" der Beute – mehrere Zargen werden übereinandergestapelt.
- Zeidler
- Historischer Waldimker: Statt Bienen in Kästen zu halten, betreute er wilde Völker in ausgehöhlten Baumhöhlen, oft hoch oben im Wald. Die Zeidlerei war vom Frühmittelalter bis ins 18./19. Jahrhundert verbreitet, bevor Rohrzucker und moderne Imkerei sie verdrängten.
- Zuckerwasser
- Selbst angerührtes Futter aus Haushaltszucker und Wasser, meist im Verhältnis 3:2 (Winterfütterung) oder 1:1 (Frühjahr/Ableger).